Dez 2 2019 0

Umfrage zu den vorgezogenen Unterhaus-Wahlen am 12. Dezember 2019

Bei den vorgezogenen Unterhaus-Wahlen am 12. Dezember zeichnet sich ein deutlicher Wahlsieg des Premierministers Boris Johnson und der von ihm geführten Konservativen Partei ab. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ für die Londoner „Times“ hervor. Danach könnten die Tories im künftigen Parlament mit 359 von 650 Sitzen über eine solide Mehrheit verfügen. Das wären 42 Mandate mehr als bei der letzten Wahl 2017. Die größte Oppositionspartei Labour unter Führung von Jeremy Corbyn würde dagegen nur noch 211 Sitze und damit 51 Mandate weniger als bisher erhalten. Das wäre das zweitschlechteste Wahlergebnis für Labour seit 1945. Die Tories werden demnach vor allem in den Labour-Hochburgen in den Midlands um Birmingham und in Nordengland den britischen Sozialdemokraten Wahlkreise und damit Mandate abnehmen. Die Schottische Nationalpartei (SNP) mit der schottischen  Regierungschefin Nicola Sturgeon als Frontfrau käme der Umfrage zufolge bei der Neuwahl auf 43 Sitze (plus 8), die EU-freundlichen Liberaldemokraten auf 13 (plus 1). Die YouGove-Umfrage wird  als recht zuverlässig eingestuft: Das Institut hatte 2017 ein Parlament ohne klare Mehrheitsverhältnisse vorausgesagt – was sich als richtig erwies. Befragt wurden binnen sieben Tagen 100 000 Personen, berücksichtigt wurden bei der Auswertung Alter, Geschlecht und lokale politische Gegebenheiten. Auch in anderen Umfragen lagen die Tories zuletzt deutlich vorn. Politische Beobachter führen den klaren Vorsprung der Tories neben dem unbestreitbaren Charisma ihres Spitzenkandidaten, das allerdings nicht in allen Landesteilen „zieht“, vor allem auf die thematische Beschränkung ihres Wahlkampfes zurück. Es gibt eigentlich nur zwei Wahlversprechen der Tories mit Breitenwirkung: Den Brexit bis zum 31. Januar 2020 mit dem nachverhandelten Ausstiegs-Deal und die umfassende Sanierung und Modernisierung des maroden staatlichen Gesundheitsdienstes NHS. Labour will hingegen innerhalb von drei Monaten ein neues Brexit-Abkommen verhandeln. Anschließend sollen die Briten in einem zweiten Referendum die Wahl zwischen einem Brexit mit enger Anbindung an die EU oder einem Verbleib in der Staatengemeinschaft haben. Das sind für die Mehrheit der Wähler keine attraktiven Positionen. Eine offenkundige Belastung ist für Labour darüber hinaus die Unbeliebtheit ihres  Spitzenkandidaten Jeremy Corbyn, dem nicht nur eine unklare Haltung zum Brexit, sondern auch erwiesener Antisemitismus vorgeworfen wird.

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